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Schwarze Küche

 

Schwarze KücheDie Schwarze Küche von Jindřichův Hradec ist eine der ältesten und besterhaltenen Burgküchen in der Region. Die Entwicklung der Wohnkultur in den Adelssitzen verschob in der spätgotischen Zeit die Kücheneinrichtung an den Rand der Burganlange oder in einen selbständigen Küchenflügel. Auf der Burg von Jindřichův Hradec wurde Ende des 15. Jahrhunderts für die Schwarze Küche ein eigenständiger Bau errichtet, genannt der Rote Turm. Der Innenraum der Küche mit dem hohen Gewölbe ist größtenteils aus der Zeit um 1500. Erhalten sind spätgotische offene Feuerstellen, Brotöfen und auch die traditionelle Rauchableitung in die vier Eckschornsteine. Malerisch wirkt das romantische Äußere der Küche, das zu Anfang des 20. Jahrhunderts im Geist der Gotik durch den Architekten Humbert Walcher aus Molthein erneuert wurde.
An die Schwarze Küche knüpft sich eine Vielzahl an Traditionen, von denen die bekannteste wohl zu Ostern, am Gründonnerstag stattfand. An diesem Tag wurde an die Armen der Stadt ein süßer Brei verteilt. Der Brauch wird in der Sage „Die weiße Frau“ von Alois Jirásek spannend geschildert. Die „weiße Frau“ der hiesigen Schwarzen Küche war Margarethe von Hardegg, die Gattin Heinrichs von Neuhaus, die im 14. Jahrhundert lebte. Auf sie geht die Tradition der Essensverteilung an die Armen zu Ostern zurück. Den zeitgenössischen Berichten zufolge versuchte sie, auf diese Weise die bösen Taten ihres Mannes abzubüßen. Nach seinem Tod trat sie in den Klarissenorden ein und erschien alljährlich zu Ostern in ihrem weißen Ordensgewand, um den süßen Brei an die Armen zu verteilen.
Der hiesige Herr Adam I. von Neuhaus (1494-1531) fordert sogar in seinem Testament seine Erben auf, dass sie „alljährlich am Grünen Donnerstag nach dem altehrwürdigen Brauch in der Tradition des Breiverteilens fortfahren“. Und für den Fall, dass einer von seinen Nachkommen gegen seine Anordnung verstoßen sollte, bittet er den König, diesem die Neuhauser Herrschaft zu entziehen und sie selbst in Besitz zu nehmen.
Der süße Brei war eine Fastenmahlzeit, deren Zubereitung wegen der Zutaten einige Erfahrung verlangte.
Die Grundlage des Breis bildete mit Bier verbrauter Weizengrieß. Der Honig gab ihm den Geschmack und das Mohnöl die Stärke. Im Laufe der Jahre wurde die Gründonnerstagsmahlzeit für die Armen um Suppe, gekochten oder gebratenen Fisch, Erbsen, Gerste, Semmeln, Brot und Bier erweitert. In manchen Jahren bekamen die Bittsteller sogar Kleingeld.
Das wohltätige Ereignis zog viele Besucher an. Im 16. Jahrhundert kamen am Gründonnerstag vier- bis fünftausend Menschen, Ende des 17. Jahrhunderts waren es schon fast zehntausend.
Der gut erhaltene Zustand der hiesigen Schwarzen Küche ermöglicht es, sie gelegentlich der Öffentlichkeit im Betrieb vorzuführen. Für zwei Tage im Jahr lebt dann die Küche wieder auf und die Besucher können zum Adventsfest und zum Weihnachtsmarkt die mittelalterliche Atmosphäre erleben.