Inhalt
Schlossmühle mit Kraftwerk
Geschichte der Mühle:
Die Mühle unter der Burg in Jindřichův Hradec ist durch die Urkunden von Heinrich von Neuhaus aus den Jahren 1485 und 1489 schriftlich belegt, in denen es um ihren Verkauf geht. Weitere Berichte, die mit einem bedeutenden Umbau der Anlage in Zusammenhang stehen, stammen aus den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts. Eine neuere Inschrift über dem Haupteingang in der östlichen Fassade verkündet,
dass die Mühle 1551 von Joachim von Neuhaus erbaut wurde, in Wirklichkeit ließ dieser sie aber nur umbauen und erweitern. Sein Wappen in der Originalausführung befindet sich zusammen mit dem Wappen seiner Gemahlin Anna von Rosenberg und mit der Neuhauser und der Rosenberger Rose über der Inschrift.
Im Jahr 1673 wurde die Mühle auf 14 Wasserräder erweitert, und seit dieser Zeit setzte sich die traditionelle Bezeichnung „Mühle bei den Vierzehn“. Während des großen Stadtbrandes am 13.6.1773 brannte die Mühle mit dem ganzen Schloss aus. Der Wiederaufbau wurde sehr schnell durchgeführt. Das Inventar aus dem Jahr 1777 erfasst die volle Ausstattung von 14 Mahlgängen mit Wasserrädern, einem Pochwerk mit einem Rad und darüber hinaus einem großen Schöpfrad für die Wasserleitung, insbesondere für die Wasserzufuhr in die benachbarte Brauerei.
Eine detaillierte Beschreibung aus dem Jahr 1850 vom Neuhauser Baumeister Jan Schaffer, der zweifellos ein Verwandter des berühmten Schöpfers vieler klassizistischen Fassaden, des Architekten Josef Schaffer war, und vom Zimmermann J. Braith stellt die Mühle unmittelbar vor dem Umbau im Jahr 1853 dar. 1852 sollte die Mühle zu einer künstlichen oder amerikanischen Mühle mit einer leistungsfähigeren Technologie rekonstruiert werden. Der Bau sollte laut Forderung des Planers Ing. Kozlík um zwei Klafter (380 cm) erhöht werden, wegen der Erweiterung um das zweite Stockwerk, es sollten Keller eingewölbt und Trennwände eingefügt werden.
Nach der Verstaatlichung wurde die Mühle 1946 von den „Südböhmischen Brauereien“ übernommen, 1962 dem volkseigenen Betrieb Fruta, später Fruko. Diese Firma nutzte die Mühle als Lager.
Die jahrelang vernachlässigte Grundwartung ließ den ganzen Bau baufällig werden. Das Nationale Denkmalamt in České Budějovice kaufte die Mühle der Firma Fruko 1998 ab und ein Jahr später wurde die Gesamtrekonstruktion begonnen, durch die die Mühle innerhalb von vier Jahren mit einem Aufwand von 18,5 Millionen Kronen gerettet werden konnte. Die Mühle wird gegenwärtig von der Jindřichohradecká kulturní společnost betrieben, einer Bürgervereinigung, die hier Saisonausstellungen und andere kulturelle Veranstaltungen organisiert. (mehr unter www.jh-zameckymlyn.cz)
Das Křižík-Kraftwerk:
Die Herrschaftsmühle in Jindřichův Hradec wies seit Anfang 80er Jahre des 19. Jahrhunderts immer stärkere Unterbilanz auf, die mit dem allgemeinen, durch die ungarische Konkurrenz bedingten Niedergang der Mühlenbetriebe in Böhmen im Zusammenhang stand. Deshalb begann der damalige Direktor der Czerniner Güter Dr. Karel Jičínský über einen Ersatzindustriebetrieb nachzudenken. Im Herbst 1886 wurde der Gedanke der Errichtung eines Kraftwerks realisiert, das nicht nur für das Schloss, sondern auch für die Stadt zur Straßen- und Wohnungsbeleuchtung Strom erzeugen sollte. Zwei Voraussetzungen für die Umsetzung eines solchen Gedanken standen bereit. Die Mühle „Bei den Vierzehn“, deren Umbau zu diesem Zweck nicht so aufwändig gewesen wäre, und zweitens eine natürliche Antriebskraft, nämlich ein regelmäßiger Wasserzufluss aus dem Teich Vajgar, dessen Kraft Jičínský auf 55 bis 60 PS schätzte. Wie aus dem erhaltenen Konzept ersichtlich ist, rechnete Jičínský für den Anfang damit, dass der Antrieb der elektrodynamischen Maschinen ununterbrochen von einer Dampfmaschine von einer Leistung von 19 PS garantiert würde, wohingegen die drei Mühlräder allein in der Nacht betätigt würden, wenn in der Mühle nicht gearbeitet wurde.
Am 19. Januar 1887 verriet die Zeitung „Ohlas“ ihren Lesern, dass in der Herrschaftsbrauerei zwei elektrodynamische Maschinen nach dem Křižík-System (Gleichstromdynamo) montiert wurden und gleichzeitig eine Leitung installiert wurde. Eine Woche später gab es in der Brauerei schon eine Probebeleuchtung. Ende Februar wurde dann die Leitungsinstallation auf dem Platz und in der Panská-Straße in Angriff genommen. Auf dem Platz wurden insgesamt 11 Glühbirnen und zwei Bogenlampen, in der Panská-Straße 5 Glühbirnen befestigt. Als sich dann herumsprach, dass am 14. März 1887 um 19 Uhr abends elektrische Lichter eingeschaltet werden, lockte das erwartete Spektakel die gespannten Bewohner von Jindřichův Hradec auf den Platz und in die Panská-Straße hinaus, obwohl es draußen sehr unfreundlich war. Die Beleuchtung, die auch in den nächsten Tagen eingeschaltet blieb, war nur probeweise. Sie war auch nicht besonders intensiv, denn die benutzten Glühbirnen hatten eine Lichtstärke von nur sechzehn Kerzen. Dennoch, der erste Schritt war getan, und jetzt hing es von der Stadt ab, wie sie sich zu der Neuigkeit stellte. Am 18. März machte der Czerniner Großgrundbesitzer der Stadt das Angebot einer vertraglich geregelten Abnahme von elektrischem Strom. Der Stadtrat nahm das Angebot an und es wurde ein langjähriger Vertrag unterschrieben. Auf Grund dieses Kontrakts wurde durch die Firma J.G.Wilhem eine Wasserturbine von 50PS Leistung für 6.308 Mark bestellt. Nach dem Aufbau dieser Turbine konnten bis zu 600 Glühbirnen mit Strom versorgt werden. Mitte August fing man mit der Verlegung der Leitungen an, die Mitte Januar 1888 abgeschlossen war. Am 2. Februar willigte das Handelsministerium in eine Probebeleuchtung der Stadt ein. Die Betreiberlizenz wurde ab dem 1. April 1888 erteilt. Die Firma des berühmten Erfinders František Křižík realisierte so das erste Stadtkraftwerk in Böhmen. Dem Beispiel von Jindřichův Hradec folgend leuchteten fünf Monate später die elektrischen Lichter auch in Písek auf.
Mit dem erhöhten Stromverbrauch wurde im Jahr 1902 eine Technologieerweiterung notwendig und 1921 wurde eine zweite Francis-Turbine geliefert und der Dynamo von einem Generator von 50 PS Leistung abgelöst.
Nach der Verstaatlichung wurde das Kraftwerk von den „Südböhmischen Brauereien“ und später von der Firma Fruta betrieben. Nach einer Anpassung der Bedienung und dem Generatoraustausch im Jahr 1966 war das Kraftwerk bis 1995 im Betrieb.
Das Nationale Denkmalamt in České Budějovice kaufte 1998 die Mühle und 1999 wurde die Gesamtrekonstruktion der Anlage eingeleitet. In ihrem Rahmen wurde mit dem Aufwand von 4,2 Millionen Kč auch das Kraftwerk rekonstruiert, das seit Dezember 2001 wieder im Betrieb ist. In Hinblick darauf, dass es sich um ein Nationales Kulturdenkmal handelt, wurden alle Teile der Technologie erhalten und instand gesetzt – beide Francis-Turbinen, die Antriebswelle inklusive Lager, Schleusen – und am Rechen wurde der Reiniger ergänzt. Es wurde die automatische Bedienung des Kraftwerks eingeführt, heute wird es von einem Computer gesteuert. Die installierte Gesamtleistung ist 75 kW.

Neue Parameter des Kraftwerks:
- Wirkleistung 75 kW
- Anschlusswert 50 kW
- Durchschnittsleistung 30 kW
- Nennspannung Stator 380 V
- Frequenz 50 Hz
- Leistungsbeiwert 0,8
Es sind zwei originale Francis-Turbinen mit einer Schluckwassermenge von = 1,95 + 0,95 m³/s installiert
ursprünglicher Asynchrongenerator 75 kW
Nenngefälle Max = 4,95 m
Wellendrehzahl n = 275 U/min
Nenndrehzahl des Asynchrongenerators 730 U/min
voraussichtliche jährliche Stromerzeugung bei vollem Durchfluss 325 000 kWh
Stromerzeugung im Jahr 2004 207 748 kWh
durchschnittliche Tageserzeugung je nach Wasserpegelstand und Zufluss
110 kWh – 1100 kWh






