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Geschichte
Die Ursprünge der Burg- und Schlossanlage von Jindřichův Hradec, die im Laufe der Jahrhunderte bis zu der heutigen Fläche von dreieinhalb Hektar anwuchs, liegen an der Stelle einer älteren slawischen Burgstätte, die im 10. Jahrhundert auf einer felsigen Landzunge über dem Zusammenfluss von Nežárka und dem Bach Hamerský potok entstand. Ein flacher Taleinschnitt des Bachs wurde schon in der ältesten Zeit für ein künstlich eingedämmtes Wasserbecken genutzt – den späteren Teich Vajgar, der der Verteidigung dieser wichtigen Festung diente.
Der Bau einer mittelalterlichen Burg, die in dem ältesten historischen Bericht von 1220 „Novum castrum“ (Neue Burg) genannt wird, ist mit dem Namen von Heinrich Witigo verknüpft. Dieser war der Begründer des selbständigen Zweiges der Witigonen, der Herren von Neuhaus, deren Wappen eine goldene Rose in blauem Feld zeigte. Aus dieser Zeit stammt der runde Schwarze Turm und der anschließende Palas. Den Herren aus Neuhaus diente die Burg, die später zu einer großzügigen Schlossanlage ausgebaut wurde, als Hauptsitz bis zum Aussterben des Geschlechts im Jahr 1604. Die Mitglieder dieses Geschlechts beeinflussten wesentlich das gesamte wirtschaftliche, politische und kulturelle Geschehen auf diesem Gebiet und fast in jeder Generation bekleideten sie wichtige Ämter am Königshof. Die Bedeutung des Geschlechts der Herren von Neuhaus wurde sichtbar auch in der allmählichen Erweiterung des Familiensitzes von einer festen romanisch-gotischen Burg zu einer monumentalen, in ihrer künstlerischen Gestaltung anspruchsvollen und
lückenlos befestigten gotischen Festung. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, unter Adam II. von Neuhaus, erfolgte ein radikaler Umbau der Burg zu einem repräsentativen Schloss, nach dem Vorbild der prächtigen Paläste der italienischen Renaissance. Eine Burgfestung wurde so zu einem prunkvollen Sitz, der auch die höchsten Anforderungen eines Renaissance-Adligen befriedigen konnte. Unter der Führung von Baldassare Maggi und anderen italienischen Baumeistern wurden im dritten Hof Adams Haus und der gegenüber liegende Spanische Flügel gebaut. Diese beiden Bauten verbanden hohe Arkaden und hinter ihnen, als der Höhepunkt der damaligen Bauaktivität entstand in einem kleinen Garten der Musikpavillon Rondell. Mit diesem großzügigen Umbau wurde die bauliche Entwicklung der Anlage im Prinzip abgeschlossen. Die unter den folgenden Besitzern vorgenommenen Veränderungen hatten nur noch einen partiellen Charakter und berührten das Renaissance-Aussehen des Schlosses kaum mehr.
Mit dem letzten weiblichen Mitglied des Geschlechts der Herren von Neuhaus hat sich
1602 Wilhelm Slawata von Chlum und Koschumberg vermählt und wurde nach dem Tod ihres Bruders Joachim Ulrich Erbe einer umfangreichen Herrschaft und des Titels „Regent des Hauses Neuhaus“. In der tschechischen Geschichte wurde er als der königliche Statthalter berühmt, der 1618 bei dem sog. Zweiten Prager Fenstersturz vom Fenster der Prager Burg gestürzt wurde. Während der neunzig Jahre im Besitz der Familie Slawata wurden keine bedeutenderen Umbauten vorgenommen. Nur in den Jahren 1678-1696 wurde der zweite Arkadenflügel beim Rondell gebaut und davor der Gartenbrunnen aufgestellt.
Im Jahr 1693 hat Hermann Jakob Czernin von Chudenitz durch die Heirat mit Marie Josefa Slawata Jindřichův Hradec erworben, das ihr
als Erbteil zufiel. Die Regelung wichtiger Staatsgeschäfte und die Beziehung zu der Dynastie der Habsburger führten unter den ersten Czerninern bedeutende Mitglieder des Kaiserhofs und weitere Vertreter des europäischen politischen Geschehens nach Jindřichův Hradec. Unter den Czerninern kam es zu den letzten größeren Umbauten am Schloss, bzw. der Kapelle. In den Jahren 1709-1735 wurde die gotische Burgkapelle nach dem Projekt von F.M.Kaňka in barockem Stil umgebaut.
1773 wurden das Schloss und die Stadt von einem verheerenden Brand heimgesucht, der einen wesentlichen Teil der Renaissance-Innenräume mitsamt den künstlerischen Sammlungen zerstörte. Ein provisorisch überdachtes und von seinen Herren verlassenes Schloss verfiel weiter. Es wurde als Wirtschaftszentrum der Herrschaft genutzt, in den großen Arkaden wurden Ställe eingerichtet, das Rondell diente als Schuppen, als Lager für Wildbret und ebenfalls als Stall.
Erst die Romantikwelle brachte ein erneutes Interesse für die Rettung des Schlosses. 1851 wurde aus dem Palais Czernin in die instand gesetzten Räume des Schlosses das Familienarchiv gebracht, das zur Grundlage des heutigen Staatsbezirksarchivs wurde, das bis heute seinen Sitz im zweiten Hof des Schlosses hat. Partielle Instandsetzungen und Veränderungen wurden Anfang des 20. Jahrhunderts von dem Wiener Architekten Humbert Walcher aus Moltheim durchgeführt, aber manche Teile des Schlosses blieben weiterhin in schlechtem Zustand.
Das Schloss gehörte der Familie Czernin bis 1945, als es auf Grund des Dekrets des Präsidenten Nr. 12/1945 konfisziert wurde. Der schlechte Zustand der Schlossanlage verschlimmerte sich weiter, manche Gebäude drohten einzustürzen. Im Jahr 1976 wurde die Generalrekonstruktion in Angriff genommen, die mit Unterbrechungen siebzehn Jahre lang dauerte. Mit einem Aufwand von 120 Millionen Kronen wurde die Schlossanlage gerettet und 1993 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.





