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Stadt Jindřichův Hradec (Neuhaus)

 

Die Stadt Jindřichův Hradec übertraf mit ihrem Ruhm manche Königsstädte und erstand aus den vielen Plagen, von denen sie heimgesucht wurde, immer in ihrem früheren Glanz wieder.“

F. A. Šubert – Aus dem böhmischen Süden

Geschichte:

Stadt Jindřichův Hradec, (Neuhaus)Die älteste Geschichte der Stadt ist mit der Herrschaft des mächtigen Adelsgeschlechts der Herren von Neuhaus verbunden. Ihr Gründer, ein bedeutender Landesbeamter im Dienst von Přemysl Ottokar I. und Wenzel I. Heinrich Witigo, ließ am Anfang des 13. Jahrhunderts an der Stelle der alten fürstlichen Burgstätte eine mittelalterliche Burg erbauen und unter ihr gründete er eine Marktsiedlung.
Der wirtschaftliche Aufschwung wurde vor allem durch eine außergewöhnlich günstige geographische Lage befördert. Die Stadt Hradec lag an der Kreuzung der Fernhandelswege, die sie mit den Hauptzentren von Mähren, von Mittel- und Ostböhmen verbanden und weiter in den Donauraum führten. Diese Wege ermöglichten eine sehr schnelle und günstige Verbindung mit dem internationalen Handel. Dank diesem Umstand wurde Jindřichův Hradec zu einem Handelszentrum für die weite Umgebung. Es fand hier regelmäßig ein Wochenmarkt statt, der ein wichtiges Privileg der Untertanenstadt darstellte und der den Austausch von Handwerkerwaren zwischen den Einheimischen und den Vertrieb fremdländischer Ware ermöglichte.
Jindřichův Hradec war schon seit dem 13. Jahrhundert vor allem durch seine Tuchindustrie berühmt. Die hiesigen Tuchmacher beherrschten mit ihrer Produktion das ganze Gebiet der Böhmisch-Mährischen Anhöhe. Über entferntere Marktplätze und ständige Lager wurde die Ware in ganz Italien, Österreich und teilweise auch in Kroatien verkauft.
Was die Menge, die Breite des Sortiments und den Umfang des Exports betrifft, kann Jindřichův Hradec im 16. Jahrhundert als eine der wichtigsten Produktionsstätten in Mitteleuropa bezeichnet werden. Noch im 18. Jahrhundert hatte es hinsichtlich des Produktionsumfangs den zweiten Platz im Königreich hinter der Stadt Liberec/Reichenberg inne.
Laut dem Einwohner- und Häuserverzeichnis aus dem Jahr 1654 war Jindřichův Hradec mit 405 Häusern nach Prag die zweitgrößte Stadt des Königreichs Böhmen.
Wie das einleitende Zitat schon andeutet, erlebte die Stadt Jindřichův Hradec auch weniger glückliche Zeiten. Katastrophal waren zwei Brände, von denen der erste 1773 neben einem großen Teil der Stadt auch die Burg und das Schloss beschädigte und der zweite, am 19. Mai 1801, etwa 318 Stadtbauten zerstörte. Jindřichův Hradec war trotzdem noch im Jahr 1848 mit 6986 Einwohnern und 643 Häusern die achtgrößte böhmische Stadt.
Die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung der Stadt sank mit der Inbetriebnahme der ersten südböhmischen Dampfeisenbahn, die Prag mit Wien verband und um Jindřichův Hradec einen Bogen machte. Die Stadt wurde erst 16 Jahre später an die Hauptstrecke angeschlossen.
Die Verlagerung der Hauptfernstraße brachte eine Verlangsamung der Industrieentwicklung, einen Mangel an Arbeitsgelegenheiten und eine stetig sinkende Einwohnerzahl in den 80er und 90er Jahren des 19. Jahrhunderts mit sich. Sie hatte einen allmählichen Rückfall Jindřichův Hradecs aus seiner einstigen Spitzenposition unter den böhmischen Städten zur Folge.
Das Bewusstsein der hundertjährigen kulturellen Traditionen, das reiche, insbesondere in den Bau- und Kunstdenkmälern sichtbare Erbe der Vorfahren (die Stadt steht seit 1961 unter Denkmalschutz) und die traditionell guten Kultur- und Handelsbeziehungen zu den Nachbarregionen machen die Stadt auch in der Gegenwart zu einem lebendigen gesellschaftlichen und kulturellen Zentrum und, an die besten Zeiten seiner Vergangenheit anknüpfend, zu einem begehrten Touristenziel von Südostböhmen.

 

Merkwürdigkeiten:

Kirche Mariä Himmelfahrt
Die Altstadt wird dominiert von der Propsteikirche Mariä Himmelfahrt mit einem Turm, durch dessen Ecke der 15. östliche Längengrad verläuft. Die ursprünglich gotische Kirche wurde in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts erbaut, hundert Jahre später wurde sie dann renoviert und erweitert. Der Turm, heute als Aussichtsturm zugänglich, ist 65 m hoch und stammt aus dem 15. Jahrhundert. Sein jetziges Aussehen bekam er – ähnlich wie eine ganze Reihe von weiteren Stadtbauten – nach dem verheerenden Brand der Stadt im Jahr 1801. 

 

Kirche St. Johannes der Täufer
Die gotische Kirche, die sich an der Stelle einer früheren romanischen Kirche befindet, entstand schrittweise seit dem Anfang des 13. Jahrhunderts, in dem folgenden Jahrhundert wurde dann die St. Nikolaus-Kapelle gebaut, die manchmal als Perle der Hochgotik in Südböhmen bezeichnet wird. Die interessante Architektur, der Reichtum an Wandmalereien, eine Reihe von gotischen und Renaissance-Grabsteinen und das frühbarocke Mobiliar der Kirche machen den gesamten Baukomplex zu einem einzigartigen Denkmal von mitteleuropäischer Bedeutung.

 

Museum der Region Jindřichův Hradec
Das 1882 gegründete Museum befindet sich seit 1927 im Gebäude des ehemaligen Jesuitenseminars auf dem Balbín-Platz, das in der I. Hälfte des 17. Jahrhunderts gebaut wurde. Das Museum beherbergt reiche Sammlungen, zu deren hervorragendsten Exponaten die Krýza-Krippe, die größte mechanische Volkskrippe der Welt, weiter eine einzigartige Kollektion von überwiegend gotischen Plastiken und eine einmalige Sammlung von bemalten Schützenscheiben und Scheibenwaffen gehören.

Mehr Informationen: www.muzeum.esnet.cz

 

Nationalmuseum der Fotografie
Das Nationalmuseum der Fotografie ist eine in unserer Stadt seit 2002 wirkende Einrichtung. Es ist in dem Spätrenaissance-Gebäude des ehemaligen jesuitischen Gymnasiums untergebracht, das in den Jahren 1595-1605 in Jindřichův Hradec erbaut wurde. Nach der Auflösung des Jesuitenordens im Jahr 1773 wurde das Gymnasium zu einer Kaserne. Bei den Bauarbeiten, die das Gebäude für die Zwecke des Nationalmuseums der Fotografie umrüsten sollten, wurden umfangreiche, einzigartige Wand- und Deckenmalereien aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts freigelegt und anschließend vom akademischen Maler Tomáš Švéda restauriert.

Mehr Informationen: www.nmf.cz